Gianmarco Allegrini

The Snowreal Expo - Ski Lodge Engelberg

 
DSC02170.jpg
 

Engelberg gilt schon seit längerem als Hot Spot der Freeride Szene. Nach dem Auftauchen der Skandinavier hat sich eine Szene etabliert, die das freie Skifahren zelebriert und feiert. Die Ski Lodge ist ebenfalls einer dieser Ort wo man sich Abends auf ein Bier trifft oder vorbei geht falls man nicht bei Freunden auf der Couch übernachten kann. Gianmarco gehört zu der jüngsten Generation Fotografen die sich langsam aber sicher in der Skiwelt einen Namen schaffen. Seine frische Art Bilder zu machen wird nun in eben dieser Ski Lodge ausgestellt. Kleines Interview auf englisch gibts dazu hier: Ski Lodge Engelberg

Es sind definitiv die Berge die mich nach Engelberg ziehen wie auch die Leute die man immer im Dorf trifft, weil jeder kennt jeden hier.

Hey Gianni, sag mal wie bist du nach Engelberg gekommen? Und wieso geblieben?

Hauptsächlich kenne ich Engelberg durch meine Eltern, die seit ich klein bin eine Ferienwohnung hier haben. Jahr für Jahr waren wir immer hier am Skifahren und irgendwann kam ich jeden freien Tag nach Engelberg um zu Ski fahren. So hat es sich ergeben, dass ich mich entschieden habe hier zu arbeiten und hier zu leben. Es sind definitiv die Berge die mich nach Engelberg ziehen wie auch die Leute die man immer im Dorf trifft, weil jeder kennt jeden hier.

In einem Interview für die Skilodge sagst du. du würdest gerne in den 30er/50er Jahren in Engelberg leben. Wie kommt das?

Neben dem Skifahren und Fotografieren muss ich irgendwie noch meine Miete bezahlen. Also fing ich an, an den Wochenenden in einer Bar zu arbeiten. Nun hab ich seit einem Jahr mit Hotels und Bars zu tun, hier in Engelberg und wurde neugierig über die früheren Hotel. Also fing ich an zu recherchieren und besuchte Museen. Der Baustil und das Leben hier war ganz anders. Sehr nobel. Und meiner Meinung nach sieht das Dorf nun komplett anders aus - nur innert 70 Jahren. Das hat mich sehr beeindruckt und wünsche mir eine Skisaison in diesen Jahren zu erleben um die Gastwirtschaft, das Dorf und auch die Menschen zu erleben. Zu dieser Zeit wurden auch die ersten Schneesport Bahnen gebaut, was Touristen aus aller Welt anzog.

Es scheint als lebst du einen sehr exzessiven Lebensstil mit der Arbeit in einer Bar und Skifahren am Berg. Wie bringst du dies alles unter einen Hut? Gibt es Tage wo du dich ausruhen musst?

Komplett gestresst bin ich nicht. Es gibt bestimmt Einheimische hier die mehr am Tag machen als ich. Ich nehme die Sache sehr gelassen. Zu dem läuft die Bar nicht bis in die frühen Morgenstunden. Es ist eher eine ruhige Bar (Gade Bar im Alpenclub) und meistens sind wir um 1-2 Uhr fertig. Also kann ich entweder noch weiter mit Freunden oder gehe nach Hause, wenn wir einen guten Tag erwarten.

Am Wochenende ist aber so oder so meistens ein ruhiges Fahren weil es sehr viele Touristen hat, dann fahr ich einfach so dass ich am Abend wieder Arbeiten kann. Aber zu sagen ist, dass ich gerne auch mal ein paar Tage auslasse und zu Hause ausschlafe und ein bisschen relaxe, wenn die Winterferien los sind hier in Engelberg ist das Arbeiten an der Bar auch nicht ohne!

 
Joel Bleyer und Joans Rönnblad in Kiroro, Japan

Joel Bleyer und Joans Rönnblad in Kiroro, Japan

Was machst du im Sommer? Bist du eine Saison Person oder das ganze Jahr über in Engelberg?

Das ändert sich auch immer ein bisschen mein Sommerprogramm. Den Sommer 2018 war ich in einer anderen, grösseren Bar arbeiten in Engelberg (Yucatan) und zu 100% (im Winter arbeite ich nur 50%). Das war sehr viel strenger weil die Bar auch im Sommer gut läuft! Parallel dazu setzte ich persönliche fotografische Konzepte um. Das heisst, man hat eine Idee, setzt das auf Papier. Anhand von Konzept setze ich dann die fotografische Arbeit um und das Ziel ist dass die Berechnungen und die Planung dann stimmt. Viel war sehr spontan und zum Teil dauerte eine Planung länger. Das Ziel der ganzen Story ist, einen Fotografie Stil neben dem Skifahren zu entwickeln. Also das heisst nicht dass ich keine Skifahrer mehr fotografiere, aber auch nicht dass ich für immer Skifahrer fotografieren werde.

Was sind deine Inspirationen in der Fotografie? Hast du dir das Fotografieren selber beigebracht? Und was denkst du braucht es um ein gutes Bild zu schiessen?

Meine grösste Inspiration kommt von der Musik. Ich hab sie immer dabei und brauche sie auch um in die richtige Stimmung für das Shooting zu haben. 

Ich habe Fotograf gelernt in Aarau beim Foto Schatzmann am Bahnhofplatz. Fast das ganze Know-how kommt von dort. Ich bin endlos dankbar für die bis heute bestehende Inspiration.

Ein gutes Bild braucht eine Vorstellung die schon bevor die Kamera in der Hand ist, im Kopf besteht. Viel wichtiger ist auch, das es nicht nur um das eine Bild geht sondern auch den style ein bisschen pusht und eine Serie macht. 5-10 Bilder die übereinander stehen und sich im Bildstil gleichen, das ist eine Arbeit die Gefühle ausdruckt.

Ein gutes Bild braucht eine Vorstellung die schon bevor die Kamera in der Hand ist, im Kopf besteht.

Deine Bilder sind häufig sehr illustrativ, leben von Struktur und Komposition. Überraschen auch mal. Teils minimalistisch. Was möchtest du mit der Ausstellung zeigen?

Bei THE SNOWREAL EXPO werden meine Favoriten von den letzten 3 Jahren in der Skifotografie gezeigt. Du wirst einfache aber auch eine abstrakte Arbeit in der Ski Lodge Bar finden. Wichtiger Punkt für mich, es wird Bilder haben die eine stark erscheinende Bildbearbeitung haben werden. Dadurch sehen Bilder nicht realistisch aus, oder halt, illustriert wie du sagst. Aber die Wahrheit ist, das ein paar kleine Klicks die Bilder komplett neu und ganz anders aussehen lassen und meiner Meinung nach ist die Bildbearbeitung die Zukunft der Fotografie. Es wird eine grosse Rolle spielen und dabei geht es nicht darum Bilder zu fälschen, sondern zu verbessern. Es wird abstrakt und neu, aber es ist nicht fake und darum ist es THE SNOWREAL EXPO.

Du sagst Musik sei eine deiner grössten Inspirationen für Bilder. Wie muss man sich das vorstellen? Und welchen Stil von Musik magst du am liebsten?

Ich finde die Musik steht sehr nahe zu Fotografie. Eine Bildserie von ca. 10 Bilder nebeneinander an einer Wand ist wie Musik hören. Du hast ein Stil den du magst oder nicht magst. Vielleicht ist es wild oder ruhig aber schlussendlich stehen sich die Dinge sehr nah. Die Musik hat einen grossen Einfluss auf meine Arbeit. Wie gesagt, sie ist immer bei mir und je nach Arbeit ändert sich die Musik. Seit Tag 1 in der Fotografie weist es mir den Weg und meine Mission ist den Bildstil der Musik anzupassen und die Musik in 4 Ecken zu bringen.

Hier ein Beispiel, Skrillex is bekannt für seine intensive Elektronische Musik. Er wollte einen neuen Track machen mit seiner grössten Inspiration, The Doors. Zwei komplett verschiedene Musikrichtungen finden den Weg um etwas komplett neues zu machen, dass niemand erwartet hat. https://www.youtube.com/watch?v=pT40_00AGQU

Es gibt keine Grenzen, mann soll das nutzen.

 
Eine Bildserie von ca. 10 Bilder nebeneinander an einer Wand ist wie Musik hören.
— Gianmarco Allegrini
Ruedi Flück